Theater Chemnitz – Diskussion über Rechtsform unnötig – Sanierungsstau beheben

JensWeisZu Vorschlägen, die eine Umwandlung der Rechtsform der Theater Chemnitz von der derzeitigen gGmbH in einen Eigenbetrieb favorisieren sowie zu bisherigen Spartenschließungsvorschlägen erklärt Jens Weis
(FDP-Oberbürgermeisterkandidat):

„Eine Diskussion über die Rechtsform ist Unsinn. Wir haben derzeit eine gGmbH mit einem Aufsichtsrat in dem sowohl Vertreter des Stadtrates (SPD, Linke, CDU) sowie der Stadtverwaltung vertreten sind. Es ist also keine Frage der Rechtsform, wenn über intransparente Entscheidungen geklagt wird, sondern eine Frage der Beteiligten. Die Verbindung Stadtrat-Stadtverwaltung-Theater ist vorhanden, sie nützt aber nichts, wenn die Beteiligten vor Entscheidungen zurückschrecken. Auch ein Eigenbetrieb löst dieses Problem nicht.

Ich warne davor, voreilig hitzige und emotionale Diskussionen um Schließungen von Sparten zu führen und dabei ein Grundproblem außer Acht zu lassen. Die Theater haben einen Sanierungsrückstau von rund 9 Millionen Euro, Tendenz sicher steigend. Das Theater muss seine Instandhaltungskosten derzeit aus seinem eigenen Etat herausschwitzen. Es ist illusorisch, dass die Theater diesen großen Batzen Geld jemals eigenständig erwirtschaften können.

Folglich muss analysiert werden, welche Sanierungen in welchen
Bereichen gemeinsam gestemmt werden können und wie die zukünftigen Instandhaltungskosten in einem nachhaltigen Finanzierungskonzept berücksichtigt werden können. Auf dieser Basis muss überlegt werden, wie Spielstätten und Werkstätten gebündelt werden können. Auch hierzu gibt es bereits Konzepte, die vor vielen Jahren erarbeitet wurden und beim Theater vorliegen. Niemand hatte diese in der Stadtverwaltung in der Vergangenheit aufgegriffen. Erst ein Änderungsantrag der FDP Fraktion im vergangenen Jahr, zum Sanierungsgebiet Brühl, griff das Thema der Spielstättenkonzentration wieder auf. Diese Überlegungen müssen zielführend weiterdiskutiert werden.

Die Angebote der Theater Chemnitz müssen zudem besser vermarktet werden. Sie sind nach meiner Einschätzung für den Großteil der Einwohner noch unzureichend wahrnehmbar. Im Stadtbild selbst werden die Theaterangebote noch zu wenig dargestellt. Die Kunstsammlungen sind hier den Theatern mit geringerem Budget einen Schritt voraus.

Fakt ist aber auch, dass Sachsen eine breite und vielfältige Theaterlandschaft besitzt. Die vielen Spielstätten wetteifern aufgrund der demografischen Entwicklung um immer weniger Besucher. Chemnitz als Oberzentrum kann hier einen Leuchtturm bilden, wenn andere Theater im Umland bereit sind, stärkere Kooperationen einzugehen.“