FDP Stadtrat kritisiert Werbebotschaft der Chemnitzer Wirtschaftsförderung

wolgang-leschAuf den Internetseiten der Chemnitzer Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH (CWE), einer 100-prozentigen Tochter der Stadt Chemnitz, wirbt das Unternehmen unter anderem mit der Aussage: „Lediglich ca. 20 Prozent der Chemnitzer Unternehmen sind tarifgebunden (Deutschland: 45 Prozent).“ (Quelle: www.cwe-chemnitz.de > Investitionsstandort > Fachkräfte) Derartige Werbebotschaften stoßen bei den Liberalen Arbeitnehmern Sachsen e.V. (LAN) auf harsche Kritik. Wolfgang Lesch, Vorsitzender der LAN und Stadtrat für die FDP Fraktion in Chemnitz, äußert sich in diesem Zusammenhang wie folgt:

„Über den Einfluss von Gewerkschaften und die Wirkung von Tarifverträgen kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Dass diese Institutionen jedoch, auch mit ihrer Streitkultur, so manches für das Arbeitsrecht und die Arbeitsbedingungen getan und geschaffen haben, dürfte jedoch unbestritten sein. Umso befremdlich stimmt es mich, gerade in einer Stadt, die seit fast zwei Jahrzehnten sozialdemokratisch an der Spitze geleitet wird, Werbebotschaften zu lesen, in denen die Tarifferne als Standortvorteil herausgestellt wird. Gerade in Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels dies unkommentiert darzustellen, birgt aus meiner Sicht die Gefahr, dass Fachkräfte eher fern bleiben, selbst wenn diese Sätze Unternehmen locken. Die CWE sollte hier mit sich ins Gericht gehen und ihre Werbebotschaften überdenken. Dass „Billig-Billig“ nicht der richtige Weg sein kann, hat auch inzwischen eine Elektronikmarktkette erkannt und ihren Werbeslogan gewechselt. Chemnitz sollte vielmehr die Qualifikationen durch Unternehmen mit Tradition, Uni, Berufsschulen und Co in den Werbevordergrund stellen.
Und die Stadt selbst sollte in Erwägung ziehen, mehr auf den Ausbildungsstandort Chemnitz hinzuweisen. So findet man beispielsweise auf der Stadtseite chemnitz.de keine Hinweise auf den Ausbildungsatlas der IHK, der Unternehmen, Berufsfelder und Ausbildungsplätze vorstellt. Städte, wie aktuell Görlitz, sind da schon weiter. Gerade jedoch in der Ausbildung junger Fachkräfte und deren langfristige Bindung an die Stadt steckt unsere Zukunft.“

Aktualisierung: Nach der Veröffentlichung der Pressemitteilung in der Chemnitzer Morgenpost reagierte die CWE und nahm die fragwürdige Formulierung aus ihrem Internetauftritt.