Aufgeweichte Bildungsempfehlungen gefährden weitere Mittelschulstandorte

(Chemnitz/03.05.2006) Mit Wirkung vom 01. Februar 2005 sind von der CDU/SPD-Koalition die Kriterien für die Bildungsempfehlung aufgeweicht worden:
Bereits mit einem Notenschnitt von 2,5 in den Fächern Deutsch und Mathematik können Viertklässler eine Bildungsempfehlung für das Gymnasium bekommen.

In der Folge haben für das Schuljahr 2006/07 sachsenweit 49,6 Prozent der Schüler eine Bildungsempfehlung für das Gymnasium bekommen. Für das Schuljahr 2004/05 hatten nach der alten Regelung 39,2 Prozent der Schüler eine Bildungsempfehlung für das
Gymnasium erhalten.

Dies geht aus der Antwort des Kultusministers auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Sächsischen Landtag (Drucksache 4/4670) hervor, die in der Anlage dieser Pressemitteilung zu finden ist. In dieser sind diese statistischen Daten auch für Regionalschulamtsbezirke, Landkreise und kreisfreien Städte sowie die einzelnen Grundschulen zu finden.

Dazu erklärt der Chemnitzer FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Andreas Schmalfuß:

„Einfach mehr Schüler auf das Gymnasium zu schicken, löst die Probleme im
sächsischen Bildungssystem nicht. Vielmehr sinkt sowohl an Gymnasien als auch an Mittelschulen die Qualität. Zudem sind sinkende Schülerzahlen an den Mittelschulen ein willkommener Anlass für die CDU/SPD-Koalition, weitere Schulstandorte besonders im ländlichen Bereich zu schließen. Das Schulsterben in Sachsen wird so weiter
vorangetrieben.

Einem Kind, das auf ein Gymnasium geschickt wird, obwohl es keine sehr guten Schulergebnisse vorweisen kann, wird ein Bärendienst erwiesen. Wenn es die Anforderungen des Gymnasiums nicht erfüllen kann, sind Probleme für das Kind vorgezeichnet.

Wir brauchen in Sachsen daher eine Bildungsempfehlung, die die wahren Stärken und Schwächen jedes Schülers analysiert. Auf Initiative der FDP-Fraktion hat der Landtag bereits im Juni 2005 die aufgeweichten Bildungsempfehlungen auch mit den Stimmen der CDU/SPD-Koalition auf den Prüfstand gestellt. Doch bisher hat das Kultusministerium keine Ergebnisse oder gar konkrete Änderungsvorschläge vorgelegt.

Wir fordern die Staatsregierung daher auf, endlich aktiv zu werden. Die Kriterien für Bildungsempfehlungen müssen dem Leistungspotenzial der Schüler gerecht werden, nicht der Statistik. Zudem darf die tragende Säule des Schulsystems, die Mittelschulen, nicht weiter ausgehöhlt werden – weder qualitativ noch quantitativ.
Das Niveau der Mittelschulen muss ebenso gehalten und ständig weiter verbessert
werden wie auch die Zahl der Mittelschulen vor Ort. Eine neue Schließungswelle im Bereich der Mittelschulen darf es nicht geben.“

F.d.R.d.A.
Andreas Novak
Pressesprecher
Rückfragen: Tel. 0351/493-4700

Datum: 20060503