Ausbildung ist die Sicherung unserer Zukunft

Beim Thema Ausbildung schlagen die Wellen derzeit besonders hoch. Ausbildungsplatzabgabe, Fachkräftemangel, Bildungs- und Berufschancen sind nur einige Schlagwörter der aktuellen Diskussion. Auch der Arbeitskreis Liberale Arbeitnehmer möchte sich gleich zu Beginn des Jahres mit diesem Thema intensiver beschäftigen. Wir sehen darin neben der schulischen und universitären Bildung den politischen Schwerpunkt in den nächsten Jahren bundesweit, vor allem aber in Sachsen. Schulabgängern einen Ausbildungsplatz anzubieten ist nicht nur eine gesellschaftliche Aufgabe unserer Unternehmen in Dienstleistung, Handwerk und Industrie, sondern im allerbesten betriebswirtschaftlichen Sinne die Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Sachsen.

Wenn man Unternehmen befragt warum diese ausbilden, wird am häufigsten die Gewinnung von Nachwuchskräften genannt. Weiterhin meinen die Unternehmer, dass oftmals Fachkräfte, die den betrieblichen Anforderungen entsprechen, auf dem Arbeitsmarkt so nicht zu finden sind. Gerade Industrie und Handel, aber auch das Handwerk stellen mit 85 % aller Ausbildungsplätze den Löwenanteil. Um so erschreckender ist es, dass gerade in den neuen Bundesländern in den letzten Jahren immer weniger Unternehmen ausbilden. Dies hat sicherlich vielfältige Gründe. An erster Stelle ist die wirtschaftlich schwierige Lage zu nennen, in denen sich viele Betriebe befinden. Des weiteren kann man aber bestimmten Unternehmern den Vorwurf nicht ersparen, zu kurzsichtig und wenig strategisch ihren Betrieb geführt zu haben. Betrachtet man die demografische Entwicklung, wird dieses Problem in den nächsten Jahren auch bei uns in Sachsen erst richtig ernst. So mancher Unternehmer bemerkt dann die Tragweite seiner früheren Entscheidung. Unternehmen, die Ausbildung auch als Investition in die Zukunft begreifen, ernten teilweise schon heute die Früchte ihrer Anstrengungen in den neunziger Jahren. Da gibt es einige gute Beispiel gerade im Handwerk bzw. im verarbeitenden Gewerbe.

Aber es gibt auch andere Gründe für die Ausbildungsplatzmisere. So darf man sicherlich vor den Leistungsproblemen bei vielen Schulabgängern und der erschreckenden Orientierungslosigkeit hinsichtlich des künftigen Berufs nicht die Augen verschließen. Es kann nicht sein, dass erst in Betrieb und Berufsschule die jungen Leute zur Ausbildungsreife gebracht werden. Die Vermittlung der Vier Grundrechenarten gehört in die Schule. Mit einer vier in Mathematik kann ich von keinem Unternehmer des Werkzeug- bzw. Maschinenbaus erwarten, dass er mich so einfach als Azubi einstellt. Teure CNC Bearbeitungszentren und Maschinen stellen heute hohe Anforderungen an die zukünftigen Gesellen. Die Schule muss auch wieder der Ort werden, wo eine gewisse Berufsberatung für die Schüler stattfindet, die teilweise gar keine Vorstellungen mehr von den Aufgaben und Herausforderungen einzelner Berufsbilder haben. Die sächsische Liberalen machen sich dafür stark.

Es gibt aber noch viel mehr zu tun. So müssen neue Berufsbilder besonders im Dienstleistungssektor schneller als Ausbildungsberufe zugelassen werden. Die Ausbildungsberufe sollten zukünftig modular aufgebaut werden und Teilabschlüsse müssen möglich sein. So werden Jugendliche mit Lerneinschränkungen in die Lage versetzt einen Abschluss zu machen und nicht als ungelernt in das Berufsleben einzusteigen. Weiterhin müssen überdurchschnittlich begabte Auszubildende stärker gefördert werden, z.B. über Zusatzqualifikationen, die man sich während der Ausbildung mit erwirbt.

Die berufliche Ausbildung muss in der Gesellschaft aufgewertet werden. Wissensvermittlung zur Existenzgründung und Selbständigkeit sollte Bestandteil des Berufsschulunterrichts werden. Das duale Ausbildungssystem muss gestärkt werden und darf nicht durch rein staatliche Ausbildungsangebote in Schulform ausgehöhlt werden. Ausbildung im Verbund muss speziell gefördert werden. Gerade kleine und mittlere Unternehmen, für welche die Kosten allein zu hoch wären, können so ausbilden. Der Erwerb der Ausbildereignung durch Mitarbeiter in den ausbildenden Betrieben muss finanziell durch das Land Sachsen stärker unterstützt werden. Die Anforderung an die Ausbildereignung einfach auszusetzen sichert nicht die Qualität der Ausbildung. Neue Ausbildungs- und Lernformen wie Projektarbeit, Juniorfirmen und E-Learning müssen konsequent ausgebaut werden.

Es gibt eine Menge Aufgaben im Ausbildungssystem, die sofort abgearbeitet werden können. Da erscheint einem die aktuelle Diskussion um zu hohe Ausbildungsvergütungen und Ausbildungsplatzabgabe als reine Nebelkerzenattacke.

Robert Reichelt
Sprecher AK Liberale Arbeitnehmer
FDP Chemnitz

Datum: 20040110