Wolfgang Meyer zum Bau des Tassenbrunnens

Redebeitrag von Wolfgang Meyer Fraktionsvorsitzender der FDP im Chemnitzer Stadtrat zum Bau des Tassenbrunnens auf dem Marktplatz
Beschlussvorlage B- 399/2002

Nach der Beratung in der Runde der Fraktionsvorsitzenden mit Ihnen Herr Oberbürgermeister, wurde uns klar, dass unser ursprünglicher Änderungsvorschlag so nicht realisierbar ist. Ein vollzogner Beschluss ist nicht aufhebbar, aber der Stadtrat hat ja wohl immer die Möglichkeit, wenn eine Angelegenheit im Stadtrat erneut auf der Tagesordnung steht diese abzulehnen oder zu beschließen.
So aber jetzt zur Sache selbst.

In den letzten Monaten wurde in Chemnitz mit viel Erregung und Enthusiasmus über den Saxonia-Tassenbrunen diskutiert. Uns, wie sicher auch andere Fraktionen erreichten viele Wortmeldungen und Stellungnahmen. Eine, vielleicht die Eindruckvollste, will ich hier auszugsweise zitieren.

„Die künstlerische Moderne müsse uns hier erst beigebracht werden und mit uns könne er in diesem Sinne noch ganz anders, ließ der Autor des ausgewählten Entwurfs wissen. Diesen Hohn nehme ich wie die meisten hier zur Kenntnis. Müssen wir aber diesen gestaltgewordenen Hohn uns vor den letzten Rest unserer über achthundertjährigen Stadtgeschichte stellen?
Der 1972 ins damalige Karl-Marx-Stadt gewuchtete Kopf und der 2002 für den Chemnitzer Marktplatz vorbestimmte „nicht alle Tassen im Schrank-brunnen“, haben eines gemeinsam – beide beabsichtigen sie kulturelle Fremdbestimmung. Vor dreißig Jahren mußte diese Stadt ohnmächtig zusehen, wie ihr ein bis heute fremdes Zeichen eingebrannt wurde. Ist diese Stadt heute so ohnmächtig wie damals?

So weit Prof. Claus Dietel
Ein Fazit welches wir aus dieser Diskussion ziehen, die Chemnitzer wollen in ihrer übergroßen Mehrheit diesen Saxonia – Tassenbrunnen nicht. Einen Brunnenbau gegen den erklärten Willen der Bevölkerung durchzusetzen halten wir nicht für demokratisch und ist auch für diese moderne Kunst nicht für dienlich. Die Standtortwahl für diese neue Brunnenvariation ist ebenfalls nach unserer Meinung mehr als unglücklich gewählt. Aus diesem Grund reichen wir jetzt einen modifizierten Änderungsvorschlag ein.

Datum: 20021113